Science-Experts berichten: Fliegende Windräder
Ingenieure von Windkraftwerken strecken sich nach dem Himmel: Nach höchst ungewöhnlichen Orten einen Kilometer über dem Boden und höher, wo Winde fast immer wehen – im Gegensatz zu lauen Lüftchen am Boden. Wind gehört wie die Sonne zu den erneuerbaren Energiequellen, die uns eines Tages helfen sollen, nachhaltig zu wirtschaften.
So hat die im kanadischen Ottawa ansässige Firma magenn eine Windturbine in Form einer Kugel entwickelt. Wie die technische Animation zeigt, fangen außen angebrachte Schaufeln den Wind in 1000 Metern Höhe ein, so dass sich der Ball horizontal um die eigene Achse dreht. Diese Bewegung produziert Strom, der über ein Kabel zum Boden geführt wird. Größere Versionen des Windzeppelins sollen eines Tages bei stetigem Wind ein Megawatt Strom produzieren – genug, um tausend Haushalte mit Elektrizität zu versorgen.
Auch in Kalifornien wird mit fliegenden Windrädern experimentiert: Denn während der Wind im Süden Kaliforniens in der Nähe der Zentrale des Startup-Unternehmens Sky Windpower etwa mit nur zehn Kilometern pro Stunde über die Landschaft fegt, bläst er in 900 Metern schon mit 50 Stundenkilometern. Eine fliegende Turbine könnte also – zumindest theoretisch – deutlich mehr Energie als ein herkömmliches Windrad erzeugen. Der Geschäftsführer von „Sky Windpower“ schätzt, dass sich mit zukünftigen Anlagen bis zu 20 Megawatt Strom erzeugen lassen. Momentan experimentiert sein Unternehmen im kalifornischen Oroville mit so genannten Gyrokoptern, die entfernt an Hubschrauber erinnern. Ihre Rotorblätter sollen die Windkraft in zwei bis acht Kilometern Höhe ernten – weit über den Flugrouten der meisten Vögel, mitunter aber in der Flugbahn von Flugzeugen.
Andere wie die 2006 in Alameda, Kalifornien, gegründete Firma Makani Power wollen Drachen verwenden, um Windenergie zu ernten – allerdings halten sie sich bedeckt, was ihren Prototypen angeht. Investoren des philanthropischen Arms von Google, Google.org, und Googles Initiative für erneuerbare Energien durften sicherlich mehr sehen, denn sie haben rund 30 Millionen Dollar in die Firma investiert.
Serienmäßig hergestellte Windkraftmodelle für die höheren Sphären gibt es indes noch nicht. Denn vor dem kommerziellen Einsatz sind noch einige Probleme zu lösen. So ist der Stromtransport zum Boden nach wie vor ungelöst. Auch die Wartung bereitet Kopfzerbrechen. Schließlich dürfen die fliegenden Kraftwerke Flugzeugen nicht in die Quere kommen. Einige Experten haben daher vorgeschlagen, diese Anlagen über Atomkraftwerken zu installieren – deren Luftraum ist ohnehin gesperrt.
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Hubertus Breuer, New York
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