Die Welt braucht Antworten auf drängende Fragen: Klimaschutz, Energie, Gesundheit, Ernährung und Mobilität – die aktuelle Liste der großen Themen ist lang. Die deutsche Ingenieurskunst ist weltweit hoch angesehen, wenn es um die Suche nach innovativen Lösungen geht. Zu den Spitzenforschungsfeldern zählen neben der Umwelt- und Medizintechnik auch Maschinenbau, Bionik, Fahrzeugtechnologie und Nanotech. Henning Hochrinner und Clara Steffens haben die aktuellen Trends für das “.de – Magazin Deutschland” zusammengefasst. Mit elf Sprachausgaben in 180 Ländern ist das Magazin die internationalste deutsche Zeitschrift für Entscheidungsträger im Ausland. Das Magazin erscheint im Verlag der Frankfurter Societäts-Medien GmbH in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt.
Zukunftsprojekt Erde ist das Motto des Wissenschaftsjahres 2012. Und Biotech-Lösungen sind unverzichtbar für mehr Nachhaltigkeit in der Industrie. Genau mit dieser Schlüsseltechnologie befasst sich die zweite Ausgabe von Linde Technology, dem Kundenmagazin der Linde Group. Das Titelthema “Aus grünen Quellen” zeigt wie die Biotech-Wende gelingen und unsere Industrielandschaft verändern könnte.
Denn mit Algenöl, grünem Wasserstoff und Chemiebausteinen aus Biomasse sollen sich nachwachsende Rohstoffe aus der Natur künftig im großtechnischen Maßstab nutzen lassen. Und das Themenspektrum des Magazins beleuchtet noch weitere Zukunftsfelder wie Kryotechnologie für die Medizinforschung. Aber auch schwimmende Fabriken für die Offshore-Erdgasförderung und energiesparendes Alu-Recycling bieten spannende Einblicke in die Hightech-Welt des Anlagen- und Gasespezialisten.
wissen + konzepte betreut seit mehreren Jahren die komplette Realisierung des 56 Seiten umfassenden Linde Technology Magazins in Deutsch und Englisch: von der ersten Themenidee über Text- und Bildredaktion bis hin zur grafischen Gestaltung und Druckabwicklung.
Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre und freuen uns über Kommentare!
Das Smartphone spricht mit dem Fernseher, der Kühlschrank spielt den Diät-Doktor und das Licht wird über WLAN gesteuert: Wenn es nach Google geht, arbeiten im Haus künftig vor allem intelligente Geräte, die genau wissen, was der Nutzer wann möchte. Die Idee könnte schneller Realität werden als wir es glauben.
Analoges Wohnzimmer: Wenn es nach Google geht, ziehen bald mehr und mehr intelligente Geräte bei uns ein. Bundesarchiv, DH 2 Bild-F-03811 (creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)
Das Smart Home, das intelligente Haus, ist allerdings keine Erfindung von Google. Schon seit Jahren stellen Elektronikhersteller Geräte vor, die durch Vernetzung für mehr Komfort und Sicherheit im Haushalt sorgen sollen. Seit über 20 Jahren gibt es inzwischen Systeme zur Heimvernetzung. Genauso lange schon wird die Technik von den meisten Nutzern beharrlich ignoriert. Daraus könnte man schließen, Konsumenten haben schlicht kein Interesse daran, dass die Elektronik im Haushalt mitdenkt und Handy, Fernseher und Kühlschrank miteinander vernetzt sind. Die rasant wachsende Zahl an Smartphones, die sich mit Laptop, Heim-PC oder dem Auto verbinden lassen, zeigt aber genau das: Es gibt Interesse an den neuen Funktionen durch das Zusammenspiel ehemals isolierter Geräte. Allerdings muss die Vernetzung reibungslos funktionieren, damit der Privatmann die Technik annimmt. Kein Laie möchte sich stundenlang damit beschäftigen, welche Geräte miteinander kompatibel sind und wie sie verbunden werden müssen.
Fehlende Standards
Daran krankt die Heimvernetzung derzeit noch: Es gibt keine einheitlichen Standards. Fast jeder Gerätehersteller kocht sein eigenes Süppchen, bietet eigene Lösung für Schnittstellen und Datenübertragung an, die wiederum nur mit speziellen Apps gesteuert werden können.
Hier kommt Google ins Spiel. Mit seinem Betriebssystem Android hat der Suchmaschinen-Konzern eine Plattform geschaffen, die bereits eine Vielzahl von Elektronikherstellern eint. Der Datenaustauch zwischen Computer und Handy funktioniert heute schon problemlos über das heimische WLAN. Das könnte sich auch für andere Geräte als Kommunikationsstandard durchsetzen.
Bislang beschränkt sich Android noch auf Smartphones und Tablet-Computer. In Kürze werden auch Fernseher mit dem Betriebssystem laufen. Auf der Computer Electronics Show (CES) in Las Vegas kündigten unter anderem Sony und LG Google-TV-Geräte an, die mit dem Android-Betriebssystem laufen. Das Internet kommt damit endgültig auf dem Fernsehschirm an – das Smartphone wird zur Fernbedienung.
cnet-Interview: u.a. mit Eric Schmidt, CES 2012
Vom Wohnzimmer aus könnte Google so auch den Rest des Haushaltes erobern und der Heimvernetzung zum Erfolg verhelfen. Auf der CES hat Eric Schmidt, ehemaliger CEO von Google, im Interview mit cnet aufgezeigt, wie ein Google-Haushalt aussehen könnte: „Man möchte zu Hause ankommen und alle Geräte, die mit Computern ausgestatten sind, stellen sich genau ein, wie man es wünscht. Wenn man zum Beispiel ins Wohnzimmer kommt, weiß der Fernseher, welches Familienmitglied man ist und übernimmt nach Wunsch die Voreinstellungen der jeweiligen Person.“ Auf die Frage von Moderatorin Molly Wood, ob Android das Portal für Google sei, um zum Beispiel auch in Haushaltsgeräte wie den Kühlschrank zu kommen, sagt Schmidt: „Es gibt in der Tat Hersteller, die Android in ihre Kühlschränke packen.“
Googles Erfolg auf dem Smartphone-Markt lässt die Idee, dass Android künftig unsere Haushaltsgeräte vernetzt, durchaus realistisch erscheinen: Das Betriebssystem hatte im dritten Quartal 2011, laut einer Gartner-Umfrage, schon einen Anteil von mehr als 50 Prozent bei den verkauften Smartphones. Die Vernetzung von Handy und Fernseher könnte die Berührungsängste einer breiteren Konsumentenschicht auflösen. Dann wäre auch der Weg für weitere intelligente Geräte mit Google-Software geebnet.
Und was ist mit Apple?
Ja, Apple ist Vorreiter in Sachen innovativer Bedienung und die Vernetzung von iPhone, Mac und iPad funktioniert einfach – neben dem Design sind die Apple-Produkte vor allem deshalb gefragt. Der einzige Nachteil: Man ist absolut auf die Produkte des Konzerns festgelegt. Andere Hersteller lassen sich nicht ohne weiteres in die Apple-Welt integrieren. Fernseher brauchen zum Beispiel ein Apple-TV-Box (zugegeben auch hier funktioniert die Vernetzung). Aber es soll auch Konsumenten geben, die gern die komplette Auswahl an Herstellern haben und gerade deswegen Apple meiden. Hier liegt die Stärke von Googles Android: Es könnte Smartphones, Fernseher und künftig auch andere Geräte von sämtlichen Elektronikanbietern, die Android benutzen wollen, unter einen Hut bringen, und damit eine viel größere Schar an Nutzern ansprechen, als Apple es schafft.
Da bleibt nur noch die Frage: Warum macht Google das? Warum stellt der Konzern den Elektronikherstellern kostenlos ein Betriebssystem zur Verfügung und rührt auch noch die Werbetrommel dafür? Ganz sicher nicht aus Nächstenliebe.
Die Antwort ist einfach: Google will seine Stellung in der Online-Werbung festigen, auch wenn die Nutzer künftig neben Heim-Computer oder Smartphone noch mit anderen Geräten surfen. Wenn Android schafft, was Elektronikhersteller bisher nicht vermochten, nämlich die Heimvernetzung einfach umzusetzen, dann ist Google auf dem besten Weg dahin, unseren Alltag noch weit tiefer zu durchdringen als bisher.
Die neue Ausgabe des Bayer-Forschungsmagazin „research“ ist erschienen – als gedruckte Version ebenso wie im Online-Portal. Egal wie und wo Sie gerade unterwegs sind: Switchen Sie beim Lesen leicht hin und her zwischen Print, Smartphone und Tablet-PC. Und wer genug gelesen hat, bringt mit einem Fingertipp auf die Forschungspodcasts Bewegung in Themen und Infografiken.
Die Themenwelt ist gewohnt vielfältig und abwechslungsreich: In der Titelstory erfahren Sie mehr über die neuen diagnostischen Möglichkeiten und Therapien der Personalisierten Medizin. Denn Medizin geht jeden an: Jeder Mensch ist einzigartig, jede Krankheit auch. Und die Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat eine neue Ära der Molekularmedizin ermöglicht. „research“ berichtet außerdem über Aktuelles aus der Malaria-Bekämpfung ebenso wie über Biotechnologie und andere Innovationen in der Landwirtschaft.
Im Spezial Elektromobilität erfahren Sie, wie sich die Werkstoff-Welt rund um die Elektroautos verändert: Es spannt den Bogen von Werkstoffen für eine leichte Karosserie und effizienten Batterien über Kunststoffe für Ladesäulen bis hin zu Rohstoffen für spezielle Klebstoffe und Lacke. Sehen Sie selbst, wie die Zukunft auf unseren Straßen aussehen könnte.
Die Redaktion von „wissen + konzepte“ hat das Magazin im Auftrag der Bayer AG komplett betreut und wünscht viel Spaß beim Lesen, Blättern, Wischen, Hören und Staunen!
In Australien tönen Zweifler am vom Menschen verursachten Klimawandel nach wie vor laut. Nicht zuletzt Oppositionsführer Tony Abbott („Klimawandel ist Blödsinn“) hat reichlich Anhänger auf dem Kontinent. Bereits zum zweiten Mal beißt sich ein Regierungschef – bzw. diesmal mit Julia Gillard eine Chefin – an Programmen für einen Emissionenhandel die Zähne aus. Die Wissenschaftler allerdings geben nicht auf.
Dr. Paul Fraser beim Überprüfen archivierten Luftproben (Foto: North Sullivan Photography)
Im Gegenteil: Australische Forscher der CSIRO (The Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation) haben im Juni eine Webseite entwickelt, auf der jeder Interessierte sich per Mausklick selbst ein Bild von der Entwicklung aktueller Treibhausgas-Level machen kann. Rohe Messwerte und Daten sind als interaktive Grafiken und in Schaubildern dargestellt – aber weder kommentiert noch ausgedeutet.
Die Seite „Cape Grim Greenhouse Gas Data“ zeigt nicht nur die exakten CO2-Werte seit 1975, sondern aktualisiert auch monatlich die Messergebnisse zum Gehalt von Distickstoffmonoxid (N2O) und Methan (CH4) in der Atmosphäre. Dr. Paul Fraser, der Leiter der CSIRO-Forschungsgruppe, will die neue Webseite allerdings nicht als Reaktion auf Klimawandel-Skepsis oder Kritik an seiner Disziplin sehen. Dennoch räumt er ein: „Wir dachten, es sei ein guter Zeitpunkt, diese Daten öffentlich zugänglich zu machen, auch um sachliche Gespräche in Gang zu bringen.“
In einer dynamischen Grafik können die Benutzer selbst den Verlauf der CO2-Konzentration seit 1976 überprüfen.
„Die publizierten Daten zeigen unter anderem, dass die Konzentration von CO2, dem wichtigsten der durch menschliche Aktivität beeinflussten Treibhausgas, auf dem höchsten Stand seit mehr als einer Million Jahre ist“, so Fraser weiter. „Und die Werte steigen derzeit um 0,5 Prozent pro Jahr an.“
Anhand der dynamischen Webseite können Benutzer selbst prüfen, wie sich etwa Entwaldung und Verbrennung fossiler Brennstoffe auf die CO2 Kurve auswirken. „Mit Hilfe dieser Informationen kann jeder die Belege und möglichen Ursachen für Klimawandel selbst überprüfen und dazu beitragen, dass auf globaler Ebene mündige Entscheidungen auf getroffen werden“, hofft Fraser.
Gesammelt und geliefert werden die Daten von Wissenschaftlern am Cape Grim, einer Mess-Station im Nordwesten des australischen Inselbundesstaates Tasmanien. Die „Cape Grim Baseline Air Pollution Station“ ist die führende Einrichtung dieser Art in der Südlichen Hemisphäre und wird vom Australischen Büro für Meteorologie betrieben. Weitergegeben werden die Messungen auch an die Weltmeteorologen der „Global Atmosphere Watch“. Außer hochpräzisen atmosphärischen Daten sammeln die Experten von Cape Grim seit 1976 auch umfassende Fakten zu Wind, Temperaturen und Niederschlägen und ermitteln Ozon-Werte sowie die Konzentration gefährlicher UV-B-Strahlung.
Beitrag vom 18.02.2011 ¬ 10:58h.Henning HochrinnerComments Off
Produkte werden heute so entwickelt, dass sie nach einer definierten Zeit den Geist aufgeben. Das hat wohl jeder schon vermutet, wenn er seinen kaputten Drucker kurz nach Ablauf der Garantie zum Wertstoffhof gebracht hat.
Die Doku „Kaufen für die Müllhalde“* zeichnet die Geschichte der geplanten Obsoleszenz anschaulich nach: vom Glühbirnenkartell, das die Lebenszeit der Glühbirne auf 1000 Stunden Leuchten festlegte, bis zu den besagten Druckern, die per integriertem Chip zur Dienstverweigerung gezwungen werden. Die Versuche der Käufer, sich zu wehren, kommen leider etwas kurz, trotzdem: sehenswert.
*Die Filme in der Mediathek haben auch eine definierte Lebensspanne, bevor sie wieder gelöscht werden. Hier gibt es die Doku auch noch länger zu finden.
Die Animation zeigt den Roboter bei der Arbeit unter Wasser. (Quelle: CSIRO)
Ein Unterwasser-Roboter taucht derzeit durch die australische Moreton Bucht östlich von Brisbane. Wassermassen von seltener Intensität und Menge haben in den vergangenen Wochen große Teile im Nordosten Australiens unter Wasser gesetzt. Welchen Einfluss haben die Überschwemmungen auf die Ökosysteme der benachbarten Meeresregionen? Der gelbe Tauchgleiter soll das herausfinden.
Ein Teil der Fluten ist natürlich bereits im Erdreich versickert. Die weitaus größeren Mengen an Schlamm und Wasser jedoch rauschten durch die großen Flusssysteme in Richtung Pazifik. Vor Brisbane, Australiens drittgrößter Stadt mit zwei Millionen Einwohnern, flossen die enormen Fluten nicht zuletzt via Brisbane River in die Moreton Bay. Die Moreton Bucht ist eine große Lagune, begrenzt von Moreton Island etwa 45 Kilometer östlich von Brisbane, ein maritimes Idyll mit hunderten von kleinen meist unbewohnten Inseln.
200.000 australische Dollar – das entspricht etwa 145.000 Euro – hat der Roboter gekostet, den die Wissenschaftler in dieser Woche erstmals in dieser Bucht östlich von Brisbane versenken. Seine Mission: exakt herausfinden, welche ökologischen Einflüsse die Überschwemmungen auf die Unterwasserwelt haben. So könnte die Flutkatastrophe in dieser Hinsicht möglicherweise auch eine gute Seite haben: Der Tauch-Gleiter wird unter anderem dreidimensionale Karten liefern, die den Einfluss des Frischwassers aus dem Brisbane River auf die unmittelbare maritime Umgebung abbilden.
Rob Gregor (l.) und Lindsay MacDonald, CSIRO-Meerestechniker, mit ihrem gelben Forscherkollegen
“Diese desaströse Flut bietet uns die seltene Gelegenheit, zu verstehen, wie unser maritimes Ökosystem auf massiven Zufluss von Süßwasser und Sedimenten reagiert”, erklärt Dr. Andy Steven von der Forschungsgruppe “Wealth from Oceans” der australischen Wissenschaftsbehörde CSIRO.
Laut Dr. Peter Thompson, Ozeanograph der CSIRO in Tasmanien, gibt es weltweit nur zwei Monitor-Roboter, die eine derartige Bandbreite an Sensoren haben. “Wir können damit das Innere der Schlammwolke im Meer von Moreton Bay sehen und analysieren”, begeistert sich Thompson. Die Spezialsensoren messen unter anderem Licht, Sauerstoffgehalt, Temperatur, Salzgehalt, die Nährstoffzusammensetzung und Phytoplankton.
Schon in den vergangenen Wochen hatten Forscher der CSIRO gemeinsam mit Kollegen vom Umwelt- und Rohstoff-Ministerium, Universitäten und der “Healthy Waterways”-Initiative Wasserproben entnommen, die die Daten des Gleiters vervollständigen sollen. Satellitenbilder sollen die Erkenntnisse zusätzlich ergänzen. Ähnliche Untersuchungen wie in der Moreton Bay werden auch in den Mündungsgebieten des Fitzroy Rivers nahe Keppel Island vorgenommen.
Zuvor hatten die Wissenschaftler den Gleiter lange in tasmanischen Binnengewässern getestet. “Dies jedoch wird der erste umfangreiche Einsatz in relativ flachen Ozeangewässern sein”, so Dr. Peter Thompson. Genau dafür war der Roboter ursprünglich entwickelt worden.
Selbst die besten Experten ihres Fachgebiets bekommen Konkurrenz: Schlaue Softwareprogramme und Roboter drohen den Forschern in den Naturwissenschaften ihre Hoheit über die Erkenntnis streitig zu machen. So hat ein Team um Ross King an der walisischen Universität Aberystwyth zwei Roboter namens Adam und Eve gebaut. Adam ist ein Roboter mit drei Armen und einem kompletten Labor. In den vergangenen zwei Jahren hat er intensiv geforscht und experimiert – und einzelnen Genen ihre tatsächlichen Funktionen korrekt zugeordnet. Mit Hilfe seiner vollautomatisch gesteuerten Experimente fand Adam heraus, welche DNA-Sequenzen ein bestimmtes Enzym synthetisieren. Eve ist ein Roboter, ähnlich wie Adam gebaut, der künftig in mehreren Experimentierschritten die besten medizinischen Wirkstoffe für bestimmte Krankheiten ermitteln soll.
Neue Experimente auf Knopfdruck
Der Robotiker Hod Lipson von der Cornell University und sein Kollege, der Bioinformatiker Michael Schmidt, haben ein Softwareprogramm namens Eureqa entwickelt, das aus ungeordneten physikalischen Daten Gesetze ableiten kann. Ihr Testobjekt war ein doppeltes Pendel. Eureqa schaffte es, innerhalb nur weniger Stunden aus den Schwingungen des Pendels unter anderem Newtons zweites Gesetz der Bewegung korrekt abzuleiten. Dabei half ein Algorithmus in mehreren Runden, genau jene Gleichungen zu entdecken, die komplexe Aussagen über die Entwicklung des Systems erlaubten. Biologen und Mediziner haben inzwischen begonnen, Eureqa in ihren eigenen Labors zu nutzen. Die jüngste Softwareversion schlägt den Forschern sogar Experimente vor.
Software durchforstet Literaturdatenbanken
Außerdem gibt es seit Jahren bereits Softwareprogramme, die Literaturdatenbanken nach bislang übersehenen Bezügen durchforsten. So haben der – inzwischen emeritierte – Informatiker Don Swanson von der University of Chicago und der Neurowissenschaftler Neil Smalheiser von der University of Illinois bereits 1994 einen kausalen Zusammenhang entdeckt: zwischen Magnesiummangel und Migräne. Normalerweise wäre das Fachleuten wahrscheinlich verborgen geblieben – weil sie kaum die Zeit finden, die Literatur jenseits ihrer Spezialisierung zu lesen.
Künstliche Intelligenz breitet sich aus
Aber auch in anderen Lebensbereichen macht sich intelligente Software breit: Im Börsenhandel treffen Programme oft Entscheidungen, die ihre Aktienhändler selbst häufig kaum noch nachvollziehen können. Künstliche Intelligenz-Programme finden sich heute außerdem bei der Überwachung von Kreditkartentransaktionen, um Betrug zu vermeiden, bei autonom gesteuerten Fahrzeugen, wie sie Google und VW derzeit im Straßenverkehr testen, oder in semantischen Suchmaschinen wie „Wolfram Alpha“ des Mathematikers und Softwareentwicklers Stephen Wolfram. Diese Suchmaschine sucht in ihrem Datenbestand nach passenden Antworten zu einer gezielten Frage aus Wissensgebieten wie Mathematik, Chemie, Sprache, Kultur und Medizin.
Obwohl es viele Kritiker gibt, ist die Entwicklung wohl kaum aufzuhalten. Roboterkonstrukteur Ross King gibt sich jedenfalls unbekümmert: „Wir freuen uns auf die Zeit, in der Roboter Seite an Seite mit Menschen die Naturwissenschaften vorantreiben.“
Mücken der Art Aedes aegypti übertragen das Dengue-Fieber.
Sie wirken äußerst unscheinbar – und können doch verheerende Folgen haben: Die Mückenart Aedes aegypti verbreitet eine ernsthafte Krankheit: Das von ihr übertragene Dengue-Fieber befällt jedes Jahr weltweit mehr als 50 Millionen Menschen. 40 000 von ihnen sterben daran, Tendenz steigend. Einen Impfstoff gegen Dengue gibt es nicht, durchaus aber intensive Bemühungen, Ausbrüche zu verringern. Im australischen Queensland bereiten Wissenschaftler derzeit einen bislang einzigartigen Feldversuch vor. Auch wenn sich die Insekten zwar dadurch kaum ausrotten lassen – so könnten sie jedoch stark reduziert werden. Im besten Fall könnte die sogenannte „Eliminate Dengue“-Kampagne sogar bewirken, dass die Stechmücken auf Dauer ihren Dengue-Fieber-“Biss” verlieren.
Verringerte Lebenserwartung
Grundprinzip der neuen Versuchsreihe, die von der “Bill und Melinda Gates Stiftung” mitfinanziert wird, ist eine Art biologische Kriegsführung: Aedes aegypti Mücken werden mit Wolbachia-Bakterien infiziert. Dieses Bakterium verringert nicht nur die Lebenserwartung der infizierten Mücke, sondern hindert sie auch an der Übertragung des Fieber-Erregers. Einige Erkenntnisse, die dem Versuch zugrunde liegen, sind Professor Scott O’Neill, Biologe an der Universität Queensland, schon seit Jahren bekannt.
Die "Eliminate Dengue"-Kampagne soll den Stechmücken ihren Dengue-Fieber-"Biss" nehmen.
Der Leiter des internationalen “Eliminate Dengue”-Projekts hatte die “Qualitäten” von Wolbachia-Bakterien erforscht und erkannte: Wolbachia befällt ausschließlich Insekten, nie Wirbeltiere, und lebt in den Zellen der Mücken. Neu war seine Entdeckung, dass Aedes aegypti, die mit einem speziellen Wolbachia-Stamm infiziert waren, deutlich kürzer leben. In bestimmten Fällen konnten jene Mücken auch den Dengue-Fieber-Erreger nicht mehr weitergeben.
Ist der australische Feldversuch erfolgreich, wäre das ein echter Durchbruch im schwierigen Kampf gegen die Krankheit. Dengue ist vor allem in Südostasien und in einigen Pazifik-Regionen auf dem Vormarsch. Auch im tropischen Norden Australiens starben im vergangenen Jahrzehnt mehrere Menschen an den Folgen der Fieber-Erkrankung. Laut Prof. Scott Ritchie, der an der James Cook Universität in Cairns den Feldversuch der “Eliminate Dengue”-Kampagne leitet, nimmt Dengue im Bundesstaat Queensland zu. Vor allem aber werden die Krankheitsausbrüche in vielen anderen Ländern ernsthafter und zahlreicher.
Weitere Versuche in Thailand und Vietnam
Ritchies Team macht sich jetzt O’Neills Erkenntnisse über die Wolbachia-Bakterien zunutze: Ab Januar 2011 werden Mücken, die mit besagtem Bakterienstamm infiziert wurden, im Norden von Queensland gezielt ausgesetzt. Ausgewählt wurden die Ortschaften Yorkeys Knob und Gordonvale nördlich der Bundeshauptstadt Cairns. Denn Aedes aegypti brütet vor allem im urbanen Umfeld: etwa in Teichen, Eimern oder Regenrinnen – eben dort, wo auch Menschen leben. In der Strandgemeinde Yorkeys und dem ländlichen Gordonvale reduzierten die Wissenschaftler zunächst die generelle Anzahl von Mückenbrutstätten, um eine Population von normaler Stärke zu schaffen.
Anschließend wird das Projekt-Team zwölf Wochen lang in jedem vierten Haus etwa zehn der mit Wolbachia infizierten Insekten freilassen. Die Idee ist, dass diese sich mit den Aedes aegypti paaren, den Bakterienstamm an die nächste Generation weitergeben – und so Schritt für Schritt die Dengue übertragende Population reduzieren.
Mücken in den beiden Regionen werden während des Feldversuchs genau beobachtet und immer wieder getestet. Hat die Kampagne den gewünschten Erfolg, planen die Wissenschaftler für 2011 weitere Versuche in Thailand und Vietnam.
Folgen im Blick
Risiken, die mit dem Feldversuch verbunden sein könnten, wurden zuvor jahrelang im geschützten Raum getestet. (Fotos: The University of Queensland)
Risiken, die mit dem Projekt verbunden sein könnten, wurden zuvor jahrelang getestet und Anwohner in Schulungen detailliert informiert, ehe die australische Regierung vor einigen Monaten das „Okay“ für die Kampagne gab. An genauer Aufklärung lag vor allem den Bewohner von Gordonvale, die sich mit „biologischen Waffen“ auskennen: Rund um jene Ortschaft waren Ende der 1930er Jahren hawaiianische Aga-Kröten ausgesetzt worden, die helfen sollten, Schädlinge im Zuckerrohr zu bekämpfen. Die Kröten allerdings rührten die Zucker-Käfer kaum an, vermehrten sich dafür rasant und treiben bis heute in Australien ihr Unwesen.
Um ähnliche Fehler zu vermeiden, experimentierten und forschten die Wissenschaftler der Dengue-Kampagne zuvor ausführlich in alle Richtungen. Sie testeten die Wirkung der Wolbachia-Bakterien auf andere Insekten und Mückenarten, auf die Umwelt und auch auf den Menschen und schlossen in vielen Versuchen unerwünschte Nebenwirkungen aus. Sollte der Versuch erfolgreich sein, hoffen die Wissenschaftler, in zwei bis vier Jahren Dengue zumindest im Norden Australiens unter Kontrolle zu haben.
Weitere Informationen zu Dengue gibt es in einem WHO Factsheet.